Modernisierung statt Ausfallrisiko
Das Langgutlager am Standort Melle (DE) ist ein zentrales Element der Materialversorgung bei Strautmann Hydraulik. Auf über 30.000 m² Produktionsfläche fertigt das Unternehmen Hydraulikzylinder für unterschiedlichste Branchen – von Maschinenbau über Nutzfahrzeuge bis hin zur Windenergie. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an eine zuverlässige und kontinuierliche Rohmaterialversorgung.
Die bestehende Anlage eines Fremdanbieters aus dem Jahr 2012 war technisch noch jung. Einschränkungen bei Ersatzteilen und qualitative Defizite machten jedoch eine präventive Ersatzinvestition erforderlich. Bastian Wasmus, Leiter Materialwirtschaft bei Strautmann, betont: „Das Langgutlager ist für uns das Herzstück der Produktion. Entsprechend wichtig war es, hier frühzeitig und kontrolliert zu handeln.“
Fehr als Partner für risikoarmes Retrofit gewählt
Bei der Auswahl des Umsetzungspartners spielte insbesondere die Fähigkeit eine Rolle, bestehende Anlagenstrukturen zu verstehen und weiterzuentwickeln – unabhängig vom ursprünglichen Hersteller. Nach Referenzbesuchen und Gesprächen entschied sich Strautmann Hydraulik für Fehr Lagerlogistik. Ausschlaggebend waren die Erfahrung im Retrofit von Fremdanlagen sowie die Fähigkeit, Mechanik, Steuerung und Warehouse-Management-System in einem Paket risikofrei umzusetzen.
Klare Anforderungen an das Retrofit
Ziel war es, die Anlage bei minimalem Produktionsunterbruch zu modernisieren und gleichzeitig die bestehende Infrastruktur weiter zu nutzen. Dazu gehörten unter anderem 817 Lagerplätze in gebäudetragender Bauweise sowie unterschiedliche Kassettentypen mit Nutzlasten von bis zu 4.000 Kilogramm.
Eine zentrale Anforderung bestand darin, das neue Regalbediengerät (RBG) nahtlos in die bestehende Regalgasse zu integrieren. Gleichzeitig sollten Ein- und Auslagerstationen sowie die vorhandenen Ladungsträger unverändert weiterverwendet werden. Zusätzlich stellte die räumliche Situation hohe Anforderungen an die Umsetzung: Das Lager grenzt direkt an einen laufenden CNC-Produktionsbereich, was die logistischen Möglichkeiten während des Umbaus erheblich einschränkte.
Auch softwareseitig war Flexibilität gefragt. Das neue Warehouse-Management-System (WMS) musste sich an bestehende Prozesse anpassen und gleichzeitig zusätzliche Funktionalitäten bereitstellen.
Das Regalbediengerät (RBG) wurde komplett ersetzt und nahtlos in die bestehende Regalgasse mit aktualisierter Gangausrüstung integriert.
Planung als Schlüssel zum Erfolg
Fehr Lagerlogistik analysierte zunächst die Ist-Situation und entwickelte ein präzises Umbauszenario. Dazu gehörten die Aufnahme der Mechanik, Sicherheitseinrichtungen, das neue Sicherheitskonzept sowie die Erneuerung der Steuerungstechnik.
Ein wesentlicher Bestandteil der Planung war die Absicherung der Produktion während des Umbaus. Strautmann schuf dafür gezielt Puffer: Durch Vorproduktion im Bereich Zuschnitt sowie zusätzliche Zwischenlager konnte die Materialversorgung temporär sichergestellt werden. Gleichzeitig wurden rund 60 Kassetten aus dem System ausgeschleust, um ausreichend Platz für die Montagearbeiten zu schaffen.
Umsetzung in nur neun Werktagen
Die Modernisierung erfolgte zwischen dem 28. Januar und 11. Februar 2026. Innerhalb dieses Zeitraums wurde das bestehende Regalbediengerät vollständig ersetzt, die elektrische Steuerung erneuert und das neue WMS implementiert. Der operative Betrieb ruhte lediglich neun Werktage; die offizielle Übergabe erfolgte am 13. Februar.
„Die reine Umbauphase war am Ende sogar kürzer als geplant“, berichtet Wasmus. „Besonders hervorzuheben ist die Professionalität des Montageteams vor Ort, das die zur Verfügung stehende Zeit konsequent genutzt und den Umbau schnellstmöglich abgeschlossen hat.“
Fokus auf Verfügbarkeit und Systemstabilität
Technisch ersetzt die modernisierte Anlage das bestehende System vollständig. Zum Lieferumfang gehören neben dem neuen RBG unter anderem eine aktualisierte Gangausrüstung, Sicherheitseinrichtungen sowie das neue fehr WMS.
Im operativen Betrieb zeigt sich bereits in der Einlaufphase ein klarer Vorteil: eine hohe Systemstabilität bei gleichzeitig verbesserter Dynamik. Für Strautmann steht jedoch nicht die maximale Umschlagleistung im Vordergrund, sondern die Verfügbarkeit.
„Die Handlingsleistung ist für uns nicht der entscheidende Maßstab. Wichtig ist eine störungsfreie Funktion und die sichere Versorgung der Produktion“, so Wasmus. „Hier sind wir nach den ersten Wochen im Produktivbetrieb sehr zufrieden – die Anlage läuft seit dem ersten Tag stabil.“
Die elektrische Steuerung wurde erneuert, damit sie wieder zukunftsfit ist und langfristige Sicherheit bietet.
Retrofit als strategische Option
Das Projekt bei Strautmann Hydraulik zeigt exemplarisch, welches Potenzial in der Modernisierung bestehender Intralogistiksysteme liegt. Durch die gezielte Erneuerung zentraler Komponenten lassen sich Verfügbarkeit und Zukunftssicherheit deutlich steigern – ohne die Investitionen und Risiken eines kompletten Neubaus.
Insbesondere in produktionskritischen Umgebungen, in denen Stillstand hohe Kosten verursacht, bietet ein präzise geplantes Retrofit eine wirtschaftlich und technisch überzeugende Alternative. Voraussetzung ist jedoch eine ganzheitliche Betrachtung von Mechanik, Steuerung und Software – sowie eine Umsetzung, die konsequent auf minimale Unterbrechungszeiten ausgerichtet ist.
Über die Partner
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Strautmann Hydraulik GmbH & Co. KG
Strautmann Hydraulik mit Sitz in Melle ist spezialisiert auf die Entwicklung und Fertigung von Hydraulikzylindern und Steuerblöcken für den Maschinen- und Anlagenbau. Das Unternehmen gehört zur international tätigen Strautmann-Gruppe und beliefert Kunden in Deutschland und Europa. Das Portfolio umfasst sowohl Standardlösungen als auch kundenspezifische Sonderzylinder für Anwendungen mit hohen Anforderungen an Kraft, Präzision und Zuverlässigkeit. Gefertigt wird auf modernen Produktionsanlagen mit hohem Automatisierungsgrad.
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Fehr Group AG
Fehr mit Hauptsitz in der Schweiz entwickelt und realisiert massgeschneiderte Intralogistiklösungen für industrielle Anwendungen. Das Leistungsspektrum reicht von der Planung und Umsetzung automatisierter Lager- und Handling-systeme bis zur Modernisierung bestehender Anlagen. Ein Schwerpunkt liegt auf Retrofit-Projekten – sowohl für eigene als auch für Fremdsysteme. Dabei kombiniert Fehr mechanische, steuerungstechnische und softwareseitige Kompetenzen und setzt Projekte mit Fokus auf hohe Verfügbarkeit, kurze Stillstandzeiten und langfristige Investitionssicherheit um.