Retrofit als Alternative zum Neubau: Potenziale für Intralogistik-Anlagen in Industrie und Handel

Artikel

Veröffentlicht am 16.04.2026

Die Anforderungen an Intralogistik-Anlagen in Industrie und Handel steigen kontinuierlich, während viele Bestandsanlagen an ihre technischen und wirtschaftlichen Grenzen stoßen. Retrofit etabliert sich deshalb zunehmend als wirtschaftliche Alternative zum Neubau, um bestehende Systeme gezielt weiterzuentwickeln und zu modernisieren.

Retrofit als Alternative zum Neubau: Neues Regalbediengerät bei Strautmann

Die Anforderungen an Intralogistik-Anlagen in Industrie und Handel haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Treiber sind unter anderem Digitalisierung, steigender Kostendruck, Fachkräftemangel sowie wachsende Erwartungen an Liefergeschwindigkeit und Flexibilität. Vor diesem Hintergrund rückt die Modernisierung bestehender Anlagen – etwa im Rahmen von Retrofit-Projekten – verstärkt in den Fokus.

Viele Bestandsanlagen sind noch durch manuelle Prozesse, gewachsene Strukturen und veraltete Steuerungstechnik geprägt. Diese stoßen im heutigen Betriebsumfeld zunehmend an ihre Grenzen. Ein vollständiger Neubau ist jedoch mit hohen Investitionen und betrieblichen Risiken verbunden. Retrofit kann hier eine wirtschaftlich interessante Alternative darstellen.

Technischer Ansatz: Modernisierung im Bestand

Die mechanischen Grundstrukturen vieler Intralogistik-Anlagen – etwa Tragkonstruktionen, Regalsysteme oder Teile der Fördertechnik – sind häufig auf lange Nutzungsdauern ausgelegt. Demgegenüber unterliegen Steuerungssysteme, Antriebstechnik und Software deutlich kürzeren Innovationszyklen.

Retrofit-Maßnahmen setzen typischerweise genau an diesen Komponenten an. Durch die Erneuerung von Steuerungen, Antrieben und übergeordneter Software lassen sich Funktionalität, Verfügbarkeit und Prozessstabilität bestehender Anlagen deutlich verbessern. Gleichzeitig kann die Nutzungsdauer der Gesamtanlage signifikant verlängert werden.

Aufbau des neuen Regalbediengeräts bei Straumann Hydraulik

Wirtschaftliche Einordnung

Im Vergleich zu einem Neubau können Retrofit-Projekte erhebliche Kostenvorteile bieten, da bestehende bauliche Strukturen weiter genutzt werden. Aufwendige Fundament- oder Stahlbauarbeiten entfallen in vielen Fällen.

In der Praxis bewegen sich die Investitionskosten häufig im Bereich von etwa 30 bis 50 Prozent eines vergleichbaren Neubaus, abhängig vom Umfang der Modernisierung. Gleichzeitig können durch die Umsetzung aktueller Sicherheitsstandards auch versicherungsrelevante Aspekte positiv beeinflusst werden.

Automatisierung und Prozessintegration

Ein zentraler Aspekt vieler Retrofit-Projekte ist die Erhöhung des Automatisierungsgrades. Automatisierte Abläufe innerhalb der Anlage können manuelle Tätigkeiten reduzieren und die Prozesssicherheit erhöhen.

Moderne Steuerungs- und Softwaresysteme ermöglichen darüber hinaus eine optimierte Koordination von Bewegungsabläufen, die Reduktion von Leerfahrten sowie eine effizientere Nutzung vorhandener Kapazitäten. In vielen Fällen wird die Intralogistik-Anlage stärker in übergeordnete Produktions- und Materialflussprozesse integriert, etwa durch Anbindungen an Bearbeitungszentren, Produktionslinien oder ERP-Systeme.

Auch kapazitive Erweiterungen sind im Rahmen eines Retrofits möglich, beispielsweise durch Anpassungen an Lastaufnahmemitteln, Optimierungen in der Lagerstruktur oder die Integration zusätzlicher Ebenen – sofern die baulichen Voraussetzungen gegeben sind.

Umsetzung im laufenden Betrieb

Ein wesentlicher Vorteil von Retrofit-Projekten liegt in der Möglichkeit, Modernisierungsmaßnahmen schrittweise umzusetzen. Einzelne Komponenten wie Steuerung, Mechanik oder Schnittstellen können oft unabhängig voneinander erneuert werden.

In der Praxis erfolgt die Umsetzung häufig während geplanter Stillstandszeiten oder in definierten Umbauphasen. Ziel ist es, Produktionsunterbrechungen möglichst gering zu halten. Der konkrete Aufwand und die Umsetzbarkeit hängen dabei stark von der jeweiligen Anlagenstruktur und der Projektplanung ab.

Energieeffizienz als zusätzlicher Hebel

Neben funktionalen und wirtschaftlichen Aspekten spielt auch die Energieeffizienz eine zunehmende Rolle. Durch den Einsatz moderner Antriebstechnik, optimierter Bewegungsprofile und – je nach System – Energierückspeisung lassen sich Energieverbrauch und Betriebskosten reduzieren.

Retrofit kann damit auch einen Beitrag zur Verbesserung der energetischen Gesamtbilanz bestehender Anlagen leisten.

 

Herstellerübergreifende Modernisierung

In vielen industriellen Umgebungen bestehen Intralogistik-Anlagen aus Komponenten unterschiedlicher Hersteller und Baujahre. Retrofit-Projekte erfordern daher häufig eine herstellerübergreifende Betrachtung.

Ziel ist es, bestehende Systeme – einschließlich Regalsystemen, Fördertechnik, Maschinen und IT-Schnittstellen – technisch und funktional zu integrieren. Dies stellt hohe Anforderungen an Planung, Schnittstellenmanagement und Umsetzung.

Projektanforderungen und Planung

Retrofit-Projekte sind in der Regel technisch und organisatorisch anspruchsvoll. Neben der eigentlichen Modernisierung müssen bestehende Prozesse analysiert, Schnittstellen berücksichtigt und Umbauphasen detailliert geplant werden.

Eine präzise Abstimmung aller Projektphasen ist entscheidend, um Zeitrahmen einzuhalten und Stillstandszeiten zu minimieren. Entsprechend hoch ist die Bedeutung von Erfahrung in Planung und Umsetzung solcher Projekte.

Praxisbeispiel: Modernisierung in kurzer Zeitspanne

Dass auch umfangreiche Modernisierungen in vergleichsweise kurzer Zeit realisiert werden können, zeigt ein Projekt des Intralogistik-Spezialisten Fehr Lagerlogistik AG bei der stürmsfs AG.

Dabei wurde eine bestehende Intralogistik-Anlage innerhalb von drei Wochen umfassend modernisiert. Zentrale Komponenten wie Steuerung, Anlagenperipherie und Prozessanbindungen wurden erneuert und automatisiert. Die Anlage verarbeitet Stangenmaterial mit Durchmessern von 12 bis 110 mm und Gewichten bis 450 kg, nutzt rund 3.800 Lagerplätze und versorgt nachgelagerte Prozesse kontinuierlich.

Durch eine detaillierte Planung und die Umsetzung während der Weihnachtsfeiertage konnte der laufende Betrieb weitgehend aufrechterhalten werden – ein Aspekt, der in Retrofit-Projekten häufig entscheidend ist.

Domingo Messerli, Geschäftsführer der stürmsfs ag, bewertet das Projekt wie folgt:

 

Dass wir das komplette System innerhalb von nur drei Wochen über die Weihnachtsfeiertage modernisieren und somit den laufenden Betrieb fast durchgehend aufrechterhalten konnten, ist für uns ein beeindruckender Erfolg

Domingo Messerli, Geschäftsführer bei stürmsfs AG

Das Beispiel verdeutlicht, dass Retrofit-Projekte bei entsprechender Planung auch unter engen zeitlichen Rahmenbedingungen realisierbar sind – gleichzeitig aber hohe Anforderungen an Koordination und Umsetzung stellen.

Foto des Fehr Wabenlager für den Stahlhandel bei stürmsfs ag in Goldach

Über Fehr Lagerlogistik AG

Die Fehr Lagerlogistik AG mit Sitz in der Schweiz entwickelt und realisiert Intralogistiklösungen für industrielle Anwendungen. Das Leistungsspektrum reicht von der Planung und Umsetzung automatisierter Lagersysteme bis zur Modernisierung bestehender Anlagen. Ein Schwerpunkt liegt auf Retrofit-Projekten – sowohl für eigene als auch für Fremdsysteme.

Dabei kombiniert Fehr mechanische, steuerungstechnische und softwareseitige Kompetenzen und setzt Projekte mit Fokus auf hohe Verfügbarkeit, kurze Stillstandzeiten und langfristige Investitionssicherheit um. 

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